Mallorca / Oktoberfest-Acts

Ronny Becker – Bollerwagen

Ronny Becker

Ronny Becker – Bollerwagen

… ist ein Künstlername. Er soll den Fans schnell im Gedächtnis bleiben und verhindern, dass diese irgendwann vor seiner Haustür in Dötlingen stehen. So viel darf aber verraten werden: Sein bürgerlicher Vorname ist Ronald. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Bäcker, womit die Grundlage für den Künstlernamen gelegt war.

Ob Apres-Ski in Österreich, Ballermann auf Mallorca oder Schlagershow im MDR – Ronny Becker hatte alle Höhen und Tiefen des Schlagergeschäfts erlebt. Eigentlich hatte der Dötlinger genug davon, wollte „auch einmal selber leben und feiern“, wie er sagt. Doch dann kommt ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Nun will er es noch einmal wissen. Sein Partyschlager „Bollerwagen“ passt zur Kohltour wie der Senf auf den Kassler. Doch reicht es, einen Hit zu landen? Nachdem seine Karriere 1999 auf dem Oktoberfest in München begann, hat er inzwischen zumindest das Plattdeutsche für sich entdeckt.

Das Musikerleben des heute 49-jährigen Ronny Becker beginnt zunächst in der zweiten Reihe. Als Schlagzeuger einer Coverband sehen die Zuschauer von ihm zunächst nur wenig mehr als seinen Kopf. „Irgendwann ging es los, dass man auch als Coverband die Zuschauer animieren sollte“, erinnert er sich. Die Band entdeckt so Beckers Qualitäten als Alleinunterhalter. Nun steht er direkt vor dem Publikum.

Ronny Becker
Ronny Becker

So wird auch ein Produzent auf ihn aufmerksam. Dieser bietet Becker an, das Lied „Lo, Lo Lothar“ aufzunehmen. Der Kalauer ist eine Anspielung auf den damaligen Star des FC Bayern München: Lothar Matthäus. „Früher war ich schon ein Bayernfan. Breitner und Rummenigge habe ich bewundert“, gesteht Becker. Das Schlagerlied nimmt er unter eher spartanischen Bedingungen auf und brennt etwa 200 Tonträger. Mit den CDs im Gepäck geht es dann 1999 gemeinsam mit dem Vater zum Oktoberfest. „Das war eine Katastrophe. So eine Musik wollte ich nie machen“, sagt Becker. Trotzdem startet er zwischen Dirndl und Bierkrügen die Werbetour. „Wir sind quer über die Kirmes gelaufen und haben die CDs an die Betreiber der Karussells verteilt“, erzählt Becker. Und tatsächlich: Die Fahrgeschäfte spielen „Lothar“ rauf und runter. Aus dem Nichts entsteht plötzlich ein Hit. Der Zeitpunkt für das Lied ist auch sehr klug gewählt. Denn der Star vom FC Bayern spielt gerade seine letzte Saison für den Rekordmeister, anschließend wird er in die USA gehen. Das wissen natürlich auch die Betreiber des „Hippodroms“, jenem Festzelt, in das in diesem Jahr die Fußballprofis zur großen Bayern-Gaudi einmarschieren werden.

Ronny Becker

„Einen Tag vorher bekam ich dann den Anruf, ob ich da spielen möchte“, erinnert sich Becker. Da gab es natürlich kein Pardon, auch wenn die Noten für die Band über Nacht noch zu Papier gebracht werden müssen. Eine Bezahlung erhält Becker nicht. All die Aufmerksamkeit, auch der versammelten Boulevardpresse, muss als Entschädigung genügen. „Sie haben mich als ersten Preußen angekündigt, der jemals in ihrem Zelt gespielt hat“, berichtet Becker und lacht. Diese wenigen Minuten auf der Bühne werden für ihn zum Sprungbrett in die Schlagerwelt. „Danach haben alle gefragt: Wer ist dieser Ronny Becker?“, sagt der Schlagersänger heute.

Auf die Zeit, die dann folgte, blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Denn er bekommt zwar regelmäßig Auftritte, wird von seinen Produzenten aber oft zu einem „Schmuse-Schlager“ verdonnert, wie er es nennt. Was er damit meint, hört man am deutlichsten in seinem Lied „Das erste Mal im Leben“, welches fester Bestandteil seiner Live-Shows war. Der Viervierteltakt lädt zum Tanzen ein und der Text erklärt sich schon durch den Titel. „Es hieß immer: Damit bist du auf der sicheren Seite, das wird man immer los“, berichtet Becker. So werden aber auch viele seiner Ideen nicht umgesetzt. Er spielt zwar zuverlässig kleinere und mittelgroße Auftritte, der wirkliche Durchbruch bleibt aber aus. „Das war irgendwo zwischen Kreisklasse und Oberliga, kurz habe ich an der zweiten Liga gekratzt“, ordnet Becker seine damalige musikalische Laufbahn ein. 2016 hat er davon dann genug und kehrt dem Showgeschäft den Rücken – vorerst.

Denn dann kommt ein Anruf, mit dem er so gar nicht rechnete. Auf dem Laufband eines Fitnessstudios nimmt er ein kleines Video auf, in dem er einen Schlagerhit vor sich hin trällert. Per Facebook sieht dies ein Produzent, der so bemerkt, dass Ronny Becker dem Schlager wohl doch noch nicht ganz abgeschworen hat. „Mit ihm wollte ich immer einmal zusammenarbeiten“, schwärmt Becker. Am Telefon hat er mit Erich Öxler den Mann, der Jürgen Drews mit „König von Mallorca“ einst den größten Hit schrieb.

Becker ist sofort wieder Feuer und Flamme. „So ganz entkommt man dieser Sucht doch nicht“, sagt er. Trotzdem hat er eine Bedingung für die Zusammenarbeit. Er will mit seiner Partnerin gemeinsam auf der Bühne stehen. Die ist 20 Jahre jünger als er und lernte Becker – wie hätte es auch anders sein können – auf einer Schlagerparty kennen. Da diese Beziehung unter den regelmäßigen Wochenendreisen Beckers stark gelitten hätte, touren sie nun kurzerhand im Doppelpack von Party zu Party.

„Wir bringen eine Mischung auf die Bühne, die es so nicht gibt“, meint Becker. Insbesondere die jüngeren Partygäste will er als Duo besser erreichen. Einen kleinen Hit hat er auch schon gelandet. In „Bierpong“ besingt er ein beliebtes Partyspiel, das auf Abi- und Studentenpartys jeder kennt. Darin gilt es, mit Tischtennisbällen Bierbecher zu treffen. Große Turniere mit hunderten Teilnehmern sind in größeren Städten inzwischen keine Seltenheit. „In Stuttgart haben wir auf einer Meisterschaft gespielt. Da waren über 1000 Leute, total verrückt“, erzählt Becker.

Aus dem einen Hit hat er inzwischen eine dreißigminütige Show geformt. „Wenn das nicht sofort abgeht, hast du keine Chance“, erklärt Becker. Mit den Schlagerliedern, die online verbreitet werden oder auf Samplern landen, verdient er erst mal nichts. „Das ist nur eine Art Visitenkarte“, betont Becker. Wichtig sei es auch, bei den DJs anzukommen, die dann entscheiden, welche Lieder auf den Partys laufen. Am Ende geht es ihm darum, Live-Auftritte zu bekommen. Mallorca steht im Sommer schon fest im Kalender, auch in Österreich ist er gebucht. Die Schlagermusik ist für ihn ein Nebenjob. Ronny Becker hätte aber nichts dagegen, wenn sich das einmal ändern würde.

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